27.01.2013

Mercedes Pagode - SL 280 (Baureihe W113)

Der smarte Erbe

Ikonen: Mercedes Pagode

Der Mercedes Pagode feiert 2013 seinen 50. Geburtstag. Den Spitzname hat das Kultobjekt von den Italienern - angeblich...

Ikonen: Mercedes Pagode

So offen, so schlicht, jeder Zoll ein Mercedes: Der Pagoden-Benz ist ein zeitlos-elegantes Auto, ein Klassiker von Geburt an

Ikonen: Mercedes Pagode

Der Reihensechszylinder in der 2,8-Liter-Version mobilisiert 170 PS - genug, um rund 200 km/h schnell zu werden

Ikonen: Mercedes Pagode

Die gestreckte Form überzeugt noch heute. Damit das flache Heck realisiert werden konnte, muss das Ersatzrad liegen, was das Laderaumvolumen verringert

Ikonen: Mercedes Pagode

Direkt unter dem Drehzahlmesser liegt der Lichtschalter, rechts daneben der Warnblinkschalter, links eine kleine Belüftungsdüse

Ikonen: Mercedes Pagode

Breiter Mund und hohe Scheinwerfer: Der 280 SL wirkt sympathisch

Ikonen: Mercedes Pagode

Die Vierstufen-Automatik setzt ein wenig träge, aber zuverlässig um, was die 170 Pferdchen ansagen

Ikonen: Mercedes Pagode

Silber war eine oft gewählte Farbe für den Pagoden-Benz: Ein angenehmer Tourer mit hohem Komfort-Niveau

Mercedes Pagode: Crashtests

Die Mercedes-Entwickler gaben dem Pagoden-SL eine Sicherheitskarosserie mit steifer Fahrgastzelle und Knautschzonen vorn und hinten mit auf den Weg

Mercedes Pagode: California-Coupé

Als ein Schuss ins Schwarze stellte sich die Version mit Hardtop-Dach, aber ohne Cabrioverdeck heraus: Der SL wurde zum 2+2-Sitzer mit mehr Stauraum

Mercedes Pagode: Sporterfolg im SL

An die großen Rennen des legendären 300 SL konnte die Pagode nie anknüpfen, doch reichte es immerhin zum Sieg bei der Rallye Spa-Sofia-Lüttich 1963

Ikonen: Mercedes Pagode

Ein Klassiker von Mercedes wird 50: 1963 stieg einer der schönsten Sterne Stuttgarts am Autofirmament auf: Der Pagoden-SL ersetzte Flügeltürer und 190er. Zeit für eine Geburtstagstour im 280 SL

Pagoden-Dach. Meinetwegen. Manche Auto-Spitznamen überspitzen ein Detail und reduzieren so einen ganzen Charakter auf eine Karikatur. Immerhin weiß aber jeder, was gemeint ist, wenn man Pagoden-Benz sagt. Es sollte jedoch klar sein, dass ein leicht nach innen gewölbtes Hardtop-Dach wirklich nicht das einzige Teil ist, das den W113 von Mercedes ausmacht. Völlig absurd wird der Kosename, wenn man im offenen SL sitzt, das knappe Stoffdach sorgfältig verstaut und der Blick nach oben gerichtet ist. Was ist schon ein Dach, wenn sich tiefblau das Himmelszelt über einem wölbt? Wenn man Bäume und Blumen riecht? Wenn die Sonne frech über oder neben dem Rückspiegel hervorlugt und ihre starken Strahlen gegen die Sonnenbrille aussendet?

Der W113 trat ein schweres Erbe an

Also überlassen wir die Pagode den Mönchen und folgen wir einfach dem Asphaltband im W113, dem SL, der eine so schwere Kindheit hatte. Kaum hatte er sich in unzähligen Crashtests die Karosserie zusammenstauchen lassen und hatten findige Stuttgarter Konstrukteure das Optimum aus den Vorgaben gemacht und dem gekürzten Chassis der Mercedes-Heckflossen-Generation ein wenig  Kurvendynamik eingepaukt, da schlugen die Siegelbewahrer der Marke die Hände über dem Kopf zusammen: Das sollte der Nachfolger des W198 sein? Der Erbe des legendären Flügeltüren-Sportlers? Entschlossen schüttelten viele Fans des guten Sterns auf allen Straßen den Kopf: Nein!

Mercedes wollte mit dem neuen W113 ein Kunststück vollbringen und gleichzeitig zwei Baureihen ersetzen: Den 300 SL und den 190 SL. Ein schwieriges Unterfangen, denn der kernige Flügeltürer mit seinen Rennsport-Genen und der 190 SL mit seinem verruchten Image als Boulevard-Cruiser und Liebling der Halbwelt ließen sich nicht auf einen Nenner bringen. Wenn auch der vor nun fast 50 Jahren präsentierte W113 mit seinen gestreckten Linien ein Statement in puncto Modernität war und dem barocken 50er-Jahre-Schwulst  abschwor, so orientierte er sich doch stärker am Vorgänger 190 SL als an der sagenumwobenen Legende 300 SL. Der W198 hatte zudem den Bonus des geliebten Erstgeborenen der Nachkriegs-Sportlerwelt bei Mercedes. Und er wartete mit sehr eigenständigen technischen Lösungen auf, während der neue SL nun größtenteils mit schnöder Großserientechnik Vorlieb nehmen musste.

als 280Er war DEr sl passEND mOtOrIsIErt

Fast schon nüchtern fi elen einige Testberichte aus. Kritik wurde laut an der hakeligen Schaltung, am zu kleinen Tank (anfänglich 65 Liter), an der mäßig abgestimmten Federung. Debütiert hatte der W113 1963 als 230 SL mit 150 PS. Ende 1965 folgte der 250 SL mit gleicher Leistung, aber größerem Hubraum. Tester bemängelten den rauen Lauf des 2,5-Liter-Reihensechszylinders, bemerkten aber wohlwollend den größeren Tank (82 Liter), eine nun feinfühliger ansprechende Federung und weitere Modellpfl egemaßnahmen. 1968 kam dann mit dem 170 PS starken 280 SL die erwartete Leistungsspritze für den Mercedes-Sportler, der noch bis 1971 weiter vom Fließband rollen durfte. Apropos Sport. Das ist schon wieder so eine Disziplin, in der der Erbe dem Vater das Wasser nicht reichen konnte. Viele nennenswerte Rallye-Erfolge hat der W113 nicht vorzuweisen. Schwer lastete die Geschichte auf den Kotflügeln des an sich doch so sympathischen Cabrios und verdeckte seinen unbestrittenen Talente.

Ikonen: Mercedes Pagode - Teil 2

 
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Tags: Mercedes

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